Die Piva

Das Vorkommen der piva im Tessin ist durch zahlreichen Rätsel, Sprichwörter und Redensarten, Fresken in Kirchen (berühmt ist die in Maggia, die als Modell für den Bau von Ilarios piva verwendet wurde; diejenige in Ascona die auf dem Cover der CD "Dumagn l'è Denedal" zu sehen ist) und der Fund eines "chanters" in Sonogno belegt. Es folgen nun die Beobachtungen von Valter Biella und Gabriele Giottonini.
Der chanter der piva, der von Franco Patà (1962, aus Sognono im Verzasca-Tal) im Haus von Cherubino Patà (1827-1899), Maler, in Sognono gefunden wurde. Das Instrument ist stark zerfressen und weist in seiner ganzen Länge Risse auf. Er ist aus Buchsholz hergestellt und hat Verstärkungs- und Verschönerungsringe aus Messing (wahrscheinlich), die mit Zinn gelötet sind.
Dank diesen Ringen konnte der Chanter seine Form bis heute beibehalten. Das Instrument weist sieben Löcher für die Finger auf der Vorderseite auf. Das letzte dieser Löcher - das für die tiefste Note, das mit dem kleinen Finger gespielt werden muss - ist doppelt. Offensichtlich konnte - wie dies bei anderen Chanters auch der Fall ist - man mit der rechten Hand tiefe Töne spielen, während mit der linken Hand hohe Töne gespielt werden konnten, oder umgekehrt (das nicht benötigte Loch wurde dann zugestopft).
In der Nähe der Glocke finden wir - im rechten Winkel zu den Löchern für die Finger - zwei Löcher zum Anstimmen, die gleichachsig sind.
Auf der Rückseite - auf gleicher Höhe wie das oberste Loch der Vorderseite - gibt es ein sehr kleines Loch (1,5 - 2 mm). Nach genauer Beobachtungen behaupten wir, dass dieses Loch nichts mit dem Spielen des Instruments zu tun hat (es scheint eher so, als ob es für einen Nagel gemacht wurde, um das Instrument aufzuhängen). Ausserdem wäre es mit dieser Grösse (insbesondere wenn man mit der Vorderseite vergleicht) nicht möglich, ein hörbares Intervall zu erzeugen.
Zweitens: Während das ganze Instrument mit den Löchern im Laufe der Jahre eine dunkelbraune Verfärbung angenommen haben, ist die Öffnung auf der Rückseite gelblich-hellbraun - die typische Farbe des Buchsholzes. Offensichtlich wurde diese Öffnung später hinzugefügt, und als das Instrument nicht mehr gebraucht wurde, da sich der Chanter im Laufe der Zeit verfärbt hat, während diese Öffnung keine Verfärbung aufweist. Vom Instrument fehlen der Sack sowie die Bordunpfeife (bzw. die Bordunpfeifen). Der Chanter wird heute von Franco Patà, Locarno, verwaltet.
- Download "Die piva in Kanton Tessin". (Peter Metzger - Gaita 2005)